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Zwischen agitierter Depression und melancholischem Peripatos. Diskursgeschichtliche Anmerkungen zu Thomas Bernhards Gehen (1971) und Karl Krolows Im Gehen (1981)

Thomas Bernhard und Karl Krolow verbindet neben der Zeitgenossenschaft vor allem eine Vorliebe für die Darstellung gehender Melancholiker. Die motivverwandten Texte ‘Gehen’ von Thomas Bernhard und ‘Im Gehen’ von Karl Krolow stellen beziehungsreiche Beiträge zur literarischen Pathographie dar. Beide Erzählungen handeln von psychiatrisch auffälligen Personen – in beiden Texten Intellektuelle –, deren rastlose Spaziergänge zur Selbstzerstörung führen. Das sich verändernde Gehen, schließlich das Zugrunde-Gehen der Figuren erweist sich als zentraler Bildbereich, der die Krankheit der Figuren Karrer und Oehler bzw. Späth zum Ausdruck bringt. Mit dieser Grunddisposition des depressiven Genies (der Begriff bleibt jeweils unspezifisch) reihen sich Bernhard und Krolow ein in eine lange, auch außerliterarisch fortgeschriebene Melancholie- Tradition. Als Marksteine seien hier nur genannt: die pseudo-aristotelischen ‘Problemata Physica’ (um 330 v. Chr.), das mittelalterliche “acedia”- Dogma, Marsilio Ficinos ‘De vita libri tres’ (1489), Albrecht Dürers Warnblatt ‘Melencolia I’ (1514), Robert Burtons ‘The Anatomy of Melancholy’ (1621) und Walter Benjamins ‘Ursprung des deutschen Trauerspiels’ (1928).

Seiten 1 - 19

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.01.2003.001

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