Inhalt » Archiv » Ausgabe 02/2010 » “What’s in a name?”: Therese Robinsohn, Therese Robinson, Terese Robinson, Karin Delmar (1873–1945): Schriftstellerin und Übersetzerin Baudelaires, Shakespeares und Verlaines

“What’s in a name?”: Therese Robinsohn, Therese Robinson, Terese Robinson, Karin Delmar (1873–1945): Schriftstellerin und Übersetzerin Baudelaires, Shakespeares und Verlaines

“Wer William Shakespeare ins Deutsche überträgt”, so der Verleger Norbert Treuheit in dem Bändchen zu Frank Günthers zweisprachiger Gesamtausgabe, “begibt sich in illustre Gesellschaft. Etliche seiner Übersetzer waren selbst namhafte Dichter.” Aufgezählt werden sodann Wieland, Lenz, Goethe, Schlegel und Tieck, Eduard von Bauernfeld, Ferdinand Freiligrath, Erich Fried, Peter Handke, Thomas Brasch und Heiner Müller. All jene widmeten sich in unterschiedlicher Intensität vornehmlich den dramatischen Werken. Anders sieht es indes bei den lyrischen Gedichten Shakespeares in deutscher Übersetzung aus. Hier ist zum einen die Zahl der Übersetzer/innen wesentlich höher – wir zählen derzeit an die dreihundert Sonettübersetzer/innen (Stand: April 2009) –, zum anderen gesellen sich zu den bekannten Dichtern (z.B. Paul Celan, Stefan George, Friedrich Gundolf, Karl Kraus) weniger bedeutsame sowie unbedeutende, aber auch – und dies ist ein entscheidender Unterschied zu den Dramenübersetzern – zahlreiche Männer und (weniger) Frauen mit ganz unterschiedlichem beruflichen Hintergrund (u. a. viele Lehrer/Lehrerinnen, Juristen, Ärzte, Freiberufler, Architekten usw.), die die Übersetzerei teilweise mehr schlecht als recht als passioniertes Hobby betreiben. Zahlenmäßig eher in der Minderheit sind hier die professionellen Übersetzer/innen wie etwa Hanno Helbling oder die für ihre herausragende deutsche Sonett-Version 1997 mit dem Christoph-Martin-Wieland-Preis ausgezeichnete Übersetzerin Christa Schuenke sowie Klaus Reichert oder Frank Günther. Zum Standard ihrer Ausgaben und ihrer Verbreitung gehören meist Ausführungen zur “Aufgabe des Übersetzers” oder ausführliche “Nachworte” (entweder vom Übersetzer selbst und/oder eines Fachmannes), manchmal auch Kommentare und editorische Notizen bis hin zu biographischen Angaben zum Übersetzer oder Interviews, eigenen Beiträgen, Lesungen, TV- und Radio-Sendungen, Hör-CDs sowie weitere Informationen auf den diversen Websites der Übersetzer/innen und Verleger. Wie die Reihen anderer “Klassiker der Weltliteratur” werden diese Bände meist in erschwinglichen Paperback-Ausgaben angeboten. Die Auflagezahlen – bei DTV liegt Schuenkes Sonettübersetzung mittlerweile in der 5. Auflage (Juni 2009) vor – unterstützen die Annahme, dass es einen Käuferkreis zu geben scheint, und die Verlage zumindest keine finanziellen Misserfolge zu verzeichnen haben.

Seiten 241 - 265

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.02.2010.241

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