Inhalt » Archiv » Ausgabe 02/2008 » Studi su volgarizzamenti italiani due-trecenteschi. A cura di Paolo Rinoldi e Gabriella Ronchi

Studi su volgarizzamenti italiani due-trecenteschi. A cura di Paolo Rinoldi e Gabriella Ronchi

Das Übersetzen im Mittelalter ist Gegenstand sehr unterschiedlicher Forschungsinteressen: Hier konvergieren sprach- und textgeschichliche, literaturgeschichtliche und sozial- und kulturgeschichtliche Ansätze. In den fünf Beiträgen des vorliegenden Bandes steht die textphilologische Perspektive im Vordergrund. Dabei werden Übersetzungen klassisch-lateinischer Werke (Valerius Maximus, Boethius), eines mittellateinischen Textes (der Legenda aurea) und französischer Kompendien (der Estoire d’Eracles und der Histoire ancienne jusqu’à César) untersucht. Es handelt sich um punktuelle Fallstudien, die insgesamt ein differenziertes Bild der toskanischen (vor allem florentinischen) Volgarizzamenti des 13. und 14. Jahrhunderts vermitteln. Eine zusammenfassende Würdigung der mittelalterlichen Übersetzungen in Italien, wie sie Cesare Segre in seiner immer noch grundlegenden Anthologie vorgelegt hatte, wird hier allerdings nicht angestrebt.

Die Consolatio philosophiae von Severinus Boethius ist im mittelalterlichen Italien mehrmals und auf ganz unterschiedliche Weise übersetzt worden; dies hat zuletzt die philologisch fundierte und zugleich methodisch innovative Studie von Silvia Albesano deutlich gemacht. In ihrem Beitrag Preliminari all’edizione del volgarizzamento della Consolatio philosophiae di Boezio attribuito al maestro Giandino da Carmignano präsentiert Giuseppina Brunetti eine bislang wenig bekannte Teilübersetzung aus der Handschrift Plut. XXIII dext. 11 der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz. Offenbar haben wir es hier mit einer ursprünglich auf die metrischen Teile beschränkten Boethius-Übersetzung zu tun, die Giandino da Carmignano zugeschrieben werden kann und die noch dem 13. Jahrhundert angehören dürfte. Wie die Kodices 1609 und 1003 der Biblioteca Riccardiana zeigen, wurde die ursprüngliche Teilübersetzung später ergänzt – und sie wurde damit auch für eine andere Form der Rezeption bestimmt: In der Handschrift der Biblioteca Laurenziana tritt das Volgarizzamento in Form von Randglossen zum lateinischen Text hinzu; in den beiden übrigen Handschriften bildet die Übersetzung, die nun auch um die Prosaabschnitte ergänzt ist, einen eigenständigen Text, der unabhängig vom lateinischen Ausgangstext gelesen werden kann. Wegweisend ist hier die Verbindung paläographischer Befunde, die sich auch anhand der Tavole I–IV auf S. 42–45 nachvollziehen lassen, mit (von der Verfasserin nicht so genannten) textpragmatischen Überlegungen.

Seiten 470 - 472

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.02.2008.470

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