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Ruth Florack: Bekannte Fremde. Zu Herkunft und Funktion nationaler Stereotype in der Literatur
Seit der Antike befördern positive und negative Nationalstereotype die Annäherung zwischen fremden Kulturen bzw. ihre Abgrenzung gegen diese. Da die Zuschreibung von Nationaleigenschaften viel älter ist als die modernen Massenmedien, müssen wir laut Florack davon ausgehen, dass die Literatur eine Schlüsselfunktion bei der Tradierung solcher Klischees eingenommen hat.
Die Erforschung von Fremd- und Selbstbildern fällt traditionell in die Zuständigkeit der Komparatistik, die dafür den Begriff Imagologie geprägt hat. Wenngleich Nationalstereotypen in der Literatur nur eine marginale Rolle zukommt, stehen imagologische Fragestellungen in der Forschung nach wie vor hoch im Kurs, was nicht zuletzt auf die interdisziplinäre Verwertbarkeit ihrer Ergebnisse gründen dürfte. Dass die Literaturwissenschaft als Textwissenschaft auch praktische, d.h. im Sinne der Völkerverständigung brauchbare Erkenntnisse liefern könnte, ist als synergetischer Nebeneffekt, wiewohl nicht intendiert, zudem nicht auszuschließen.
Ausgehend von Textbeispielen der französischen und deutschen Literatur des 16. Bis 19. Jahrhunderts überwindet die Autorin mit Hilfe der Sozialpsychologie und Linguistik antiquierte Konzepte der Imagologie, untersucht in diachroner Perspektive den Zusammenhang von Nationalstereotypen und Nationalcharakter, um schließlich in einem interpretatorischen Teil ihre Ergebnisse an einschlägigen Texten zu erproben.
Seiten 424 - 427
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.02.2008.424
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