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Liebesbriefe in fremdem Namen vor, nach und bei H. de Balzac
Bei Briefen privater Natur und vertraulichen Inhalts wird man stets davon ausgehen, daß der Unterzeichner oder Absender auch der Autor des mitgeteilten Wortlauts ist. So selbstverständlich ist diese Übereinstimmung, daß sie, wenn definiert werden soll, was ein Brief ist, nicht einmal ausdrücklich erwähnt zu werden braucht. Lettre: Écrit que lon adresse à qqn pour lui communiquer ce quon ne peut ou ne veut lui dire oralement. Da diese Übereinstimmung so selbstverständlich ist, verfügt derjenige, der sie beseitigt, unterläuft, damit über ein wirksames Mittel der Täuschung. Im 115. Brief der Liaisons dangereuses rühmt sich der Vicomte de Valmont gegenüber der Marquise de Merteuil, er habe, nachdem es ihm einige Zeit vorher gelungen sei, die jugendlich-naive Cécile de Volanges zu verführen, diese nun auch dahin zu bereden vermocht, daß sie sich in Zukunft die Briefe an ihren tugendhaften Verehrer Danceny von ihm, Valmont, diktieren lassen werde. Valmonts Ziel ist es dabei, die zarte Zuneigung der beiden jungen Leute in die Richtung sinnlichen Begehrens zu lenken und Dancenys Hoffnungen auf Erfüllung seiner Liebe zu beleben, um ihn so gegen die Avancen der Marquise de Merteuil zu immunisieren, die ihn, sehr zum Ärger Valmonts, zu verführen trachtet.
Seiten 304 - 332
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.02.2004.304
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