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Frau und Recht im Nibelungenlied. Konstituenten des zentralen Konflikts

Das ‘Nibelungenlied’ ist ein faszinierender Text, berichtet es uns doch den heroischen Untergang eines ganzen Geschlechts. Aus dem gleichen Grund ist es aber auch ein sperriger Text, dessen Kernaussage sich nicht ohne weiteres erschließt. Einige Forscher, für die stellvertretend Joachim Heinzle genannt sei, halten deshalb das ‘Nibelungenlied’ für grundsätzlich nicht interpretierbar, ihnen gilt schon der Versuch von Sinnfindung in diesem Werk als Sinnunterstellung. Andere, voran Jan-Dirk Müller, plädieren dafür, zur Interpretation des ‘Nibelungenliedes’ dessen Regeln, genauer dessen Spielregeln, zu studieren; diese seien vornehmlich literarischer Natur. In der Konsequenz bedeutet es, dass das ‘Nibelungenlied’ an sich ein rein literarisches Faszinosum sein und bleiben soll. Sowohl Heinzle als auch Müller gehen mit ihren ästhetischen Überlegungen von modernen Prämissen aus. Damit tritt die Frage in den Hintergrund, in welchem Kontext ein mittelalterliches Publikum (und damit natürlich auch der oder die Dichter) das Lied erfassen konnte. Gert Althoff zeigt indes in seinen Untersuchungen mehrfach, daß vermeintlich literarische Spiele durchaus Regelentsprechungen im politischen Leben der Zeit haben; somit sollte man den Realitätsbezug auch eines literarischen Spiels, das politische Verwicklungen zum Gegenstand hat, nicht von vorneherein ausschließen. Um den kulturellen Hintergrund mit seinen verschiedenen parallelen Diskursen für das Verständnis des ‘Nibelungenliedes’ fruchtbar zu machen, bedarf es freilich erst einer Reihe von vergleichenden Teilstudien zu verschiedenen Themenbereichen.

Seiten 241 - 258

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.02.2006.241

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