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Christian Moser: Kannibalische Katharsis. Literarische und filmische Inszenierungen der Anthropophagie von James Cook bis Bret Easton Ellis (Aisthesis Essays, 18).
Im europäischen Diskurs über den Kannibalismus gibt es zwei Grundströmungen: Die dominante primitivistische Strömung verortet die Anthropophagen räumlich wie menschheitsgeschichtlich am Rande oder außerhalb der Kultur, die andere erkennt auch im Kannibalismus ein kulturelles System, das lediglich anderen Regeln als denen der eigenen Kultur folgt. Eine zweite Leitunterscheidung entwickelt Christian Moser im Ausgang von Lévi-Strauss Begriff der Anthropemie (von griech. emein, erbrechen), der die Eigenheit europäischer Gesellschaften bezeichnen soll, gefährliche Individuen nicht dem sozialen Körper einzuverleiben, sondern sie auszustoßen, während der Kannibalismus die paradigmatische Figuration einer integrativen, hybriden Kultur im Gegensatz zur homogenen Einheitskultur darstelle.
Seiten 442 - 444
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.02.2006.442
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