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Aufklärungsanthropologien im Widerstreit? Probleme und Perspektiven der Anthropologieforschung am Beispiel von Hans-Peter Nowitzkis Der wohltemperierte Mensch
Das Feld der philosophischen und medizinischen Anthropologie des 18. Jahrhunderts ist in den letzten Jahrzehnten eingehend erforscht worden, dennoch erscheint der erreichte Kenntnisstand nach wie vor unbefriedigend. Bislang hat die Forschung zahlreiche Schwerpunkte gesetzt, einige der besser ausgeleuchteten Teilmomente des anthropologischen Diskurses bleiben indes isoliert. Hinzu kommt ein vielfach unreflektierter Umgang mit dem Terminus Anthropologie und daraus folgend eine auffallende Zurückhaltung, die Gesamtheit der Quellenüberlieferungen philosophischer, medizinischer und psychologischer Aussagen über den Menschen in ihrem vollen Umfang zur Kenntnis zu nehmen.
Dabei hat es die Dixhuitièmistik, so könnte man meinen, im Vergleich zu anderen Fächern um einiges leichter, insofern die von ihr behandelten Autoren wenigstens dem Titel nach Anthropologien verfaßten oder ihnen zumindest der Begriff geläufig war. In der Tat scheint sich die Lage dadurch jedoch eher verkompliziert zu haben. Bis heute ist noch immer unklar, welche Gegenstandsbereiche die Anthropologie überhaupt umfaßt, an welchen wissenssystematischen Stellen Aussagen über den Menschen auch außerhalb der engeren Disziplinengrenzen aufzusuchen sind und mit welchem Erkenntnisanspruch das Thema in den verschiedenen Wissensfeldern behandelt wird. Von den zahlreichen genuin anthropologischen Themen z.B. der Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu Gott, seiner Stellung im Kosmos nur jene Texte bzw. Textpassagen herauszugreifen, die sich mit der Doppelnatur des Menschen und dem Zusammenhang von Leib und Seele befassen, scheint indes zu kurz zu greifen wie auch die 2003 von Hans-Peter Nowitzki vorlegte Studie Der wohltemperierte Mensch. Aufklärungsanthropologien im Widerstreit betont. Gerade weil sich Nowitzki diesen Problemen der Anthropologieforschung stellt, scheint sich seine Studie für eine ausführliche Auseinandersetzung zu eignen.
Seiten 3 - 26
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.01.2007.003
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