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Annette Simonis: Grenzüberschreitungen in der phantastischen Literatur. Einführung in die Theorie und Geschichte eines narrativen Genres
Verstöße gegen die epochenspezifisch jeweils gültigen wissenschaftlichen, anthropologischen und raum-zeitlichen Übereinkünfte dürfen als ein Konstituens phantastischer Literatur gelten, ihre Analyse bildet daher einen konstanten Gegenstand literaturwissenschaftlicher Reflexion. In Anlehnung an Jurij M. Lotmans Modell des narrativen Ereignisses definierte Marianne Wünsch die phantastische Grenzüberschreitung als Versetzung eines Handlungsträgers über die zwischen zwei semantischen Räumen liegende Grenze. Von einem hochrangigen Ereignis, wie es der Einbruch des Phantastischen darstelle, könne dann gesprochen werden, wenn es im Kontext des herrschenden Kulturmodells kein Erklärungsmuster für das unerklärliche außer- oder übernatürliche Ereignis gebe. In der Absicht, das ältere von Tzvetan Todorov entwickelte Modell der phantastischen Erzählliteratur [...] im Blick auf eine aktuelle Poetologie phantastischen Schreibens sowie dessen kulturanthropologischen [sic!] Implikationen zu erweitern (S. 44), erhebt Annette Simonis das Moment der Grenzüberschreitung nun zum eigentlichen Kern der Gattung (S. 52), bildet die gemeinhin an der Schwelle stattfindende Kontaktaufnahme zwischen dem Protagonisten und jenem meist als rätselhaft bzw. unheimlich apostrophierten Anderen doch insofern einen Höhepunkt des Handlungsgeschehens, als sie nicht nur die physische oder psychische Integrität des Helden bedroht, sondern aus einer erkenntnistheoretischen Perspektive zum Zusammenbruch seines vertrauten Weltbildes führen kann (S. 48).
Seiten 345 - 349
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.Archivdigital.info/ARCHIV.02.2007.345
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