BESPRECHUNGEN / ALLGEMEINES
Verbergen – Überschreiben – Zerreißen. Formen der Bücherzerstörung in Literatur, Kunst und Religion. Ed. Mona Körte und Cornelia Ortlieb (Allgemeine Literaturwissenschaft, 9). Berlin: Erich Schmidt, 2007. Pp. 320. Kart. € 39.80.
Siegfried Lokatis
Die Thematisierung von Bücherzerstörung bietet plastische und unterhaltsame Möglichkeiten zu zeigen, warum das Buch ein besonderes Medium ist: Fernseher kann man nicht essen und dem digitalen Buch fehlen die Eselsohren, die altehrwürdigen Spuren menschlicher Inbesitznahme. Bücherzerstörung, darin finden die vierzehn Autoren einen gemeinsamen Nenner, sei nicht unbedingt als “Symptom barbarischer Kulturferne” zu deuten, was sogar für ihre schockierenden und tabuisierten Praktiken gelten soll, womit natürlich die Bücherverbrennung gemeint ist (S. 13). So zeigt Ulrike Schneider am Beispiel Petrarca, wie der Autor mit der Metapher der Bücherverbrennung durch die Sibylle von Cumä die eigene Kanonisierung betrieb, und Marcel Atze erweitert die Perspektive auf Autoren, die aus höchst unterschiedlichen Motiven und nicht immer mit Erfolg die eigenen Bücher und Manuskripte zu vernichten bestrebt waren: Paul Celan, Sigmund Freud, Franz Kafka, Heinrich von Kleist, Alexander Solschenizyn und Robert Walser.
(Seite 366 - 368)
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