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AUFSÄTZE

Grenzen des Verstehens und Verstehen Wollens: Die eroberte Kultur in Matilde Asensis El origen perdido

Kennzahl archiv_20090203
Guido Rings
 
Während zur Behandlung von Konquista und Kolonialzeit in der zeitgenössischen lateinamerikanischen Narrativik mittlerweile zahlreiche Studien vorliegen, bleibt ihre Aufarbeitung im Neuen Historischen Roman Spaniens weitestgehend unbeachtet. Das mag auf die Marginalisierung dieses Themas im spanischen Literaturkanon zurückzuführen sein, der sich auch weiterhin mehr mit dem unmittelbaren Erbe des Faschismus beschäftigt. Zu legitimieren ist eine solche Forschungslücke aber weder mit Blick auf die ausführliche Diskussion im neueren und neuesten Abenteuerroman – etwa bei Hernández (1992, 1995), Muñoz (2002), Pimentel (2003) und Asensi (2003), noch erscheint sie im Interesse einer strukturell fundierten Vergangenheitsbewältigung, denn Kontinuitäten und Brüche nationaler Identitätskonstruktion spiegeln sich in ehemaligen Kolonialmächten wie Spanien insbesondere auch in der Darstellung der Kolonialzeit. Matilde Asensis El origen perdido liefert als hyperrealistischer Bestseller einer derzeit sehr erfolgreichen Autorin eine ausgezeichnete Grundlage zur Hinterfragung der Geschichtsbilder im spanischen Abenteuerroman. Unter Berücksichtigung der dortigen Intertextualität, zu deren Erarbeitung auf quijoteske Grundmuster, den sprachpolitischen Paradigmenwechsel von Lapesa zu Eco und neuere Theorien zum kulturellen Gedächtnis zurückgegriffen wird, ist auf eine weitgehende Dekonstruktion kolonialer Hegemonialvorstellungen zu verweisen. Insbesondere werden darauf aufbauende hierarchisch fixierte eurozentrische Kultur- und Gendervorstellungen mittels transkultureller Konzepte aufgelöst, der Roman stabilisiert allerdings auch Kernaspekte exotischer Objektifizierung und Romantisierung, die Asensi aus indigenistischen Diskursen entliehen haben dürfte.
(Seite 258 - 282)
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