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BESPRECHUNGEN / ALLGEMEINES

Literatur und Medizin. Ein Lexikon. Ed. Bettina von Jagow und Florian Steger.

Kennzahl archiv_20090112
Christa Jansohn
 
“Die Medizin ist meine gesetzliche Ehefrau, die Literatur meine Geliebte. Wenn mir die eine auf die Nerven fällt, nächtige ich bei der anderen”, so schrieb Anton Tschechow im Jahre 1888 an seinen Verleger. Ob die anderen schreibenden Ärzte mit dem Vergleich des großen russischen Dramatikers übereinstimmen würden, lässt sich recht schwer abschätzen – zu groß und kaum überschaubar ist diese Doppelbegabung bzw. Doppelexistenz unter den Medizinern (weniger Medizinerinnen und kaum unter Zahnärzten). Als Gratwanderer zwischen ihrer oft durch Leiden anderer geprägten Profession und ihrer eigenen poetischen Leidenschaft sowie zwischen ihrer auferlegten ärztlichen Schweigepflicht und ihrer eigenen poetischen Expressivität sind schreibende Ärzte die besten Beispiele für die enge Symbiose zwischen Medizin und Literatur. Ganze Bücher, Anthologien und Lexika sind deshalb bereits über diese Spezies entstanden, und schon seit nahezu dreißig Jahren erscheint zudem im deutschsprachigen Raum der Almanach der deutschsprachigen Schriftsteller-Ärzte, ferner ganze Buchreihen und Zeitschriften, darunter ist die amerikanische Literature and Medicine (seit 1982) wohl die bekannteste; aber auch vorzügliche Websites, etwa die “Literature, Arts & Medicine Database” der New York University, widmen sich intensiv dieser spannenden Schnittstelle von Literatur und Medizin, die 1972, wenige Jahre nach der Gründung des “Pennsylvania State University College of Medicine” (1966), dort und wenig später auch an zahlreichen amerikanischen Universitäten ebenfalls Bestandteil des Medizinstudiums geworden ist, “to help physicians develop skills in the human dimensions of medical practice.“
(Seite 149 - 152)
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