BESPRECHUNGEN / ROMANISCH
Mirjam Schneider: Federico García Lorca und der islamische Orient. Die literarische Gestaltung einer kulturellen Fernbeziehung
Anna-Sophia Buck
Der Fokus der vorliegenden Untersuchung liegt auf den intertextuellen Bezügen zwischen Lorcas Dichtung und der mittelalterlichen hispano-arabischen, arabischen und persischen Lyrik. Anhand diverser ins Spanische übersetzter Anthologien, namentlich die Poesías asiáticas (hg. von Gaspar de Nava 1833) und die Poemas arábigoandaluces (hg. von García Gómez 1930), die Lorca nachweislich zugänglich waren, analysiert die Komparatistin Mirjam Schneider ein Korpus von Texten vor allem aus dem Romancero gitano, dem Diván del Tamarit sowie den Sonetos del amor oscuro. Die exemplarischen Einzelanalysen dienen der Erfassung, Systematisierung und Auswertung rhetorischer Mittel, die Lorcas Sprachästhetik in der Tradition arabischer und persischer Dichtung verorten, um daraus ein allgemeines Fazit über die Beziehungen zwischen Lorcas Texten und der (hispano)arabischen und persischen Dichtung abzuleiten. Einen besonderen Schwerpunkt legt die Autorin auf den Gebrauch und die Funktion der Metaphern, wobei es ihr darum geht, Lorcas Anleihen in der mittelalterlichen Metapherntheorie des Abd al-Qāhir al-Ǧurǧānī im Kontext der islamischen Literaturtheorie nachzuweisen und diese vom aristotelischen Metaphernverständnis abzugrenzen (“Wendet man sich nun Lorcas Metaphern zu, dann wird schnell deutlich, dass ihnen mit aristotelischen Kategorien nicht beizukommen ist, und dass hingegen die Analysekategorien, die Ǧurǧānī anbietet, viel besser zu ihrem Verständnis beitragen.” S. 38). Zur Untermauerung ihrer Thesen rekurriert sie, neben den Einzeltextanalysen, auf die theoretischen Schriften Lorcas, d.h. vor allem auf seine Vorträge El Cante Jondo (1922), La imagen poética de don Luis de Góngora (1927), Juego y teoría del duende (1933) sowie seinen Artikel Granada. Paraíso cerrado para muchos (1936).
(Seite 467 - 470)
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