BESPRECHUNGEN / ROMANISCH
Michael Bernsen: Die Problematisierung lyrischen Sprechens im Mittelalter. Eine Untersuchung zum Diskurswandel der Liebesdichtung von den Provenzalen bis zu Petrarca (Beihefte zur Zeitschrift für romanische Philologie, 313).
Barbara Kuhn
Wie der Untertitel von Michael Bernsens Studie über die Problematisierung lyrischen Sprechens im Mittelalter bereits andeutet, verfolgt die Untersuchung einen diskursanalytischen Ansatz, um auf diese Weise umfassender und adäquater als in vielen bisherigen Arbeiten den Wandel im lyrischen Sprechen vom Beginn des 12. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts beschreiben zu können. Gleichzeitig ermöglicht diese Perspektive, da sie die Dichtung nicht unabhängig von den sie umgebenden Diskursen betrachtet, ein Verständnis des in dieser Zeit sich vollziehenden grundlegenden Wandels der Episteme, läßt sich die volkssprachliche Liebesdichtung doch nicht nur als Reaktion auf den generellen Diskurswandel begreifen, sondern geradezu als dessen Paradigma: “Die ‘fin’amor’ wird […] zu einem Feld der Ausdifferenzierung von Wissen, in dem am Beispiel der Liebe Wertsphären, Lebensformen und theoretische Begriffszusammenhänge jenseits schematischer Vorgaben dem Reflexionsprozeß der kommunikativen Vernunft unterstellt werden” (S. 6).
(Seite 462 - 464)
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