Alexanderdichtungen im Mittelalter. Kulturelle Selbstbestimmung im Kontext literarischer Beziehungen. Hrsg. von Jan Cölln, Susanne Friede und Hartmut Wulfram unter Mitarbeit von Ruth Finckh (Veröffentlichungen aus dem Göttinger Sonderforschungsbereich 529 Internationalität nationaler Literaturen, Serie A: Literatur und Kulturräume im Mittelalter, 1).
Das Problem der Internationalität nationaler Literaturen stellt sich für das mittelalterliche Europa der Christenheit anders als für das neuzeitliche Europa der Nationen (vgl. S. 12). Die programmatische Einleitung der Herausgeber (S. 7-20) betont, daß mittelalterliche Kultur- und Herrschaftsräume eher durch soziale Gruppen organisiert seien als durch räumliche Bezogenheit (S. 14); regionale Literaturen seien wesentlich Eigenliteraturen von Höfen, Universitäten, Städten, Bistümern etc. (vgl. ebd.). Die Selbstkonstituierung regionaler Identität in literarischen Texten (vgl. S. 16) schließe andererseits nicht aus, daß dieselben Texte zur Überlieferungseinheit eines überregionalen (sprachlich definierten) Kulturraums gehörten (S. 15) und in Interdependenz zu Texten aus anderen Kulturräumen ständen (S. 16). Einzeltexte seien in je unterschiedlicher Konfiguration durch die Merkmale Regionalität, Überregionalität und Universalität gekennzeichnet, wobei intendierter Universalität faktische Regionalität (z.B. durch die Bindung an einen bestimmten Hof) entsprechen könne (vgl. S. 10f.), oder ähnlich.
Seiten 208 - 211
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